Der Triebwagen

Z 105

Der Triebwagen Z105 wurde im Jahre 1949 von den De Dietrich Werken (Reichshoffen / Frankreich) an die CFL geliefert. Die gesamte Serie, welche von Z101 bis Z110 durch nummeriert war, basierte auf einem Prototypen welcher 1933 den Hauptverantwortlichen der damaligen französischen Privatbahnen vorgestellt wurde.

Dieses Fahrzeug, welches mit zwei 105 PS starken CLM ( Compagnie Lilloise des Moteurs) Dieselmotoren ausgerüstet war, verfügte über eine mechanische Kraftübertragung mittels zweier DGG CV2 ( Lizenz Mylius ) Vierganggetriebe. Dieser Triebwagen bot insgesamt 75 Personen Platz, war 17,90 Meter lang und 100 km/h schnell. Dieses Fahrzeug war ein wahrhaftiger Glückstreffer, denn eine lange Serie, auf diesem Fahrzeug basierender Triebwagen, wurde in den folgenden Jahren an die A.L. (Elsaß-Lothringen), P.O. (Paris-Orléans), ETAT und EST (Ostbahn) Eisenbahn-verwaltungen geliefert. Im Jahre 1938, dem Jahr der Gründung der SNCF, wurden diese Triebwagen in die Bestandslisten der französischen Staatsbahnen als Serie ZZ D1000 aufgenommen, wo sie noch bis 1960 ihren Dienst versahen.

Ähnliche Triebwagen fanden auch in Syrien (Damaskus-Hama Eisenbahn) Abnehmer. In den Jahren 1935-36 lieferte De Dietrich eine weitere Serie Triebwagen an die französischen Privatbahnen. Diese Triebwagen ( Serie ZZ D 2000 der SNCF) waren 320 PS stark, da ab dieser Baureihe SAURER- anstatt der CLM Triebwerke verwendet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg lieferte De Dietrich schlussendlich die Serie X 3700 (X 3701 bis X 3720) an die SNCF. Diese Baureihe war ein verbesserter Nachbau der Reihe ZZ D 2000 Die CFL Baureihe Z 101 bis Z 110 welche 1949 ausgeliefert wurde ist identisch mit der Baureihe X 3700 der SNCF.

Wenden wir uns nun der CFL Baureihe Z100 zu, zu welcher der Triebwagen Z105 gehört. Z105 wurde Ende 1949 bei den CFL in Betrieb genommen und auf allen Haupt- und Nebenstrecken der damals jungen CFL eingesetzt. Die Triebwagen befuhren die heute längst geschlossene Attert-Strecke (Petingen-Steinfort-Ettelbrück), Sauer-Strecke (Ettelbrück-Echternach-Wasserbillig); Schnellzugeinsätze auf Hauptstrecken gehörten ebenfalls zum täglichen Einsatzgebiet. Die zehn De Dietrich leisteten ab 1950 ein Drittel der jährlichen Personenzugkilometer der CFL (±100.000 Kilometer pro Triebwagen).

Es bleibt anzumerken, dass ab 1949 sechs Décauville Anhänger (RZ1001 bis 1006) das Fassungsvermögen der Triebwagen erhöhten. Im Jahre 1955 beschaffte man vier weitere Décauville Anhänger (RZ1007 bis 1010) um der gestiegenen Beförderungsnachfrage Herr zu werden. Mit der Schließung der Attert-Strecke im Jahre 1967 und der Sauer-Strecke im Jahre 1964 begann der Stern allmählich zu sinken. Alterserscheinungen anfangs der siebziger Jahre des 20.Jahrhunderts führten zur Abstellung verschiedener Trieb- und Beiwagen. Unfälle bereiteten einigen Triebwagen ein jähes Ende (Z109 1973 in Wecker, Z110 1976 im BW Luxemburg, Z103 1977 in Dommeldingen ).

Am 27. Mai 1978 wurden dann die verbleibenden Triebwagen durch einen Beschluss des CFL Verwaltungsrates ausgemustert. Dennoch gingen nicht alle Triebwagen sofort den Weg des alten Eisens. So wurde der Triebwagen Z105 1978 vom GAR erstanden und im BW Luxemburg hinterstellt, die Triebwagen Z104 und Z110 (ex Z101) sollten im luxemburgischen Moselörtchen Remerschen als Treffpunkt von Atomkraftgegnern eine letzte Bleibe finden. 1984 wurden sie verschrottet, nachdem Mitglieder des GAR noch alle brauchbaren Teile zur Restaurierung des Z 105 entnommen hatten.

Betrachten wir nun die technischen Eigenschaften von Z105. Der Triebwagen hat eine Länge über Puffer von 25,81 Metern, ist in fahrbereitem Zustand 34 Tonnen schwer und bot anfangs 20 Personen in der 2. Klasse und 55 Personen in der 3. Klasse Platz. Zusätzlich standen noch 20 Stehplätze zur Verfügung. Die 2./3. Klasse Aufteilung wurde 1956 in eine reine 2. Klasse Ausführung umgewandelt. Um den Fahrgästen auch im Winter ein geheiztes Obdach zu gewähren, verfügt der Triebwagen über ein autonomes Heizsystem mittels eines Koksofens welcher die Warmwasserheizung des Passagierraumes heizt. Angetrieben wird der Triebwagen von 2 SAURER Dieselmotoren (www.saureroldtimer.ch oder www.arbon-online.ch/museum) des Typs BXDS, welche über eine Nennleistung von je 160 PS bei 1500 Umdrehungen / Minute verfügen. Die Leistung der Dieselmotoren wird mittels einer Kupplung über zwei mechanische Vierganggetriebe Bauart Mylius CV 2 an die Hinterachse eines jeden Drehgestells gebracht. Kupplung und Motorsteuerung werden pneumatisch betätigt; die Getriebe werden über Bowdenzüge geschaltet. Diese etwas eigenartige Antriebsweise verleiht dem Triebwagen ein exzellentes Beschleunigungsvermögen, wodurch die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h schnell erreicht wird. Der Triebwagen wird mittels einer direkttätigen Luftdruckbremse Bauart Westinghouse, welche über eine einzigartige Bremsleistung verfügt, abgebremst.

Z105 ist seit 1992 wieder einsatzfähig und hat seither mehrere Tausend Kilometer auf luxemburgischen und ausländischen Gleisen absolviert. Fahrten 1997 zum Jubiläum der SBB,1998 nach Paris und Tours (F) zu einer Retrospektive des Triebwagenbaus in Frankreich gehören zweifellos zu den herausragenden Fahrten des Schienenoldies. Leider ist die Betriebserlaubnis von Z105 seit Oktober 1999 erloschen, da die direkttätige Bremse Bauart Westinghouse nicht mehr zugelassen ist.

Gespräche über die Übernahme des Triebwagens durch das nationale Denkmalschutzamt (Service des Sites et Monuments Nationaux) und seine Aufnahme in die Liste der nationalen technischen Denkmäler sind erfolgreich verlaufen, so dass die Zukunft und die Wiederinbetriebsetzung (nach den erforderlichen Anpassungen) gesichert sind.

 

AKTUELLES

Der Triebwagen ist im Jahre 2002 in den Besitz des Luxemburger Staates (Kultusministerium) übergegangen welche anschliessend die Betreuung der Gesellschaft "1604 CLASSICS asbl" (= Staat + 5519asbl + GARasbl) übergeben hat.

 

 

 

Der Triebwagenanhänger

Rz 1011

Der Triebwagen Anhänger RZ1011 wurde im Jahre 1995 von den Verantwortlichen des GAR bei der französischen Staatsbahn SNCF erworben um die Beförderungskapazität des Triebwagens Z105 zu vergrößern.

RZ1011 wurde 1962 von den Décauville Werken aus Corbeil (Paris) unter der Betriebsnummer XR 8291 an die SNCF ausgeliefert. 1980 wurde der Anhänger zusammen mit XR 8274, 8281 und 8285 von der SNCF Werkstätte Bordeaux grundlegend modernisiert. Hierbei musste der crème-rote Originalanstrich dem neuen blau-weissen Triebwagendesign der SNCF weichen. Der Innenraum wurde den damaligen Erfordernissen angepasst, wobei die Originalbänke einer Einzelbestuhlung weichen mussten und eine moderne Warmluftheizung und Kühlung das Reisen erträglicher machen. Der Anhänger bietet nunmehr 12 Passagieren in der 1.Klasse und 48 Personen in der 2.Klasse Platz. Zusätzlich steht ein Gepäckraum mit einer Nutzlast von 2,5 Tonnen zur Verfügung. Technisch wurden diese vier Anhänger den modernisierten X 2800 und X 2100 Triebwagen angepasst.

Nach seinem Verkauf an den GAR im Jahre 1995 wurde der Beiwagen von der Mannschaft des GAR umlackiert und erhielt die Betriebsnummer RZ1011. Diese Nummer wurde in Anbetracht der CFL Triebwagen Anhänger Baureihe RZ1001 bis RZ1010 gewählt. Zusätzlich wurde das Bremssystem von RZ1011 dem des De Dietrich Triebwagens angepasst. Im September 1995 erfolgte dann die erste Sonderfahrt von RZ1011, welche den Anhänger ins benachbarte Ausland führte. Seither wird der Anhänger sporadisch zusammen mit dem Triebwagen Z105 zu Sonderfahrten eingesetzt.

AKTUELLES

Der Beiwagen Rz-1011 wurde zusammen mit dem Triebwagen Z-105 ist im Jahre 2002 in den Besitz des Luxemburger Staates (Kultusministerium) übergegangen welche anschliessend die Betreuung der Gesellschaft "1604 CLASSICS asbl" (= Staat + 5519asbl + GARasbl) übergeben hat.